Betrieb von einem Samba Server zur Bereitstellung von einer Freigabe für Windows 95

Manchmal muss man leider Dinge tun, die man eigentlich nicht machen möchte. Die hier beschriebene Technik gehört leider auch dazu und wenn ich das nächste Mal in Redmond bin, wird mich Ned Pyle dafür bestimmt schlagen. Da ich allerdings einiges an Erfahrung sammeln konnte, möchte ich dieses Wissen hier mit diesem Beitrag teilen, falls es andere Leidensgenossen gibt, die das gleiche Problem haben wie ich. Kommentare, dass Windows 95 gehört abgelöst/migriert/verbrannt/zum Mond geschossen, führen unwiderruflich zu einem spendierten Bier oder Kaffee, das weiß ich nämlich auch 😉

Worum geht es eigentlich?

Manchmal gibt es Gründe (TM), warum noch uralte Betriebssysteme existieren. Zum Beispiel, weil große (und somit teure) Maschinen damit ausgeliefert werden und 30 Jahre laufen (z.B. Hochöfen oder Industrie-Maschinen). Ein Update ist nicht möglich, da es sich um ein geschlossenes System handelt und man selbst nicht auf OS-Ebene herunterkommt. In meinem Fall musste ein Windows 95, was mit einem Windows Server 2003 zusammen arbeitet, angepasst werden. Der Server 2003 stellte eine Freigabe bereit und war in Hardware-Form vorhanden. Die Hardware war recht alt, lief mit Server 2003 und sollte ersetzt werden durch ein System mit einem neueren OS.

Windows 95 als Client mit Windows Server 2016 als Dateiserver

Mein erster Ansatz war, den Windows 95 Client mit einem Windows Server 2016 zu verbinden. Das ich hier gewisse Sicherheitsrichtlinien heruntersetzen musste war mir klar, also habe ich versucht, das System mit lokalen Sicherheitsrichtlinien so einzustellen, dass der Windows 95 Client eine Verbindung aufbauen kann. Dies hat leider nicht so ganz geklappt, ich hatte folgende Verhaltensweisen:

Der Aufruf von dem Server bringt eine Fehlermeldung

Auf \\Server kann nicht zugegriffen werden.

Diese Anforderung wird nicht vom Netzwerk unterstützt.

Der direkte Aufruf der Freigabe funktioniert (ein bisschen)

Ruft man statt dem Server noch direkt die Freigabe auf (also \\Server\Share), kommt das Windows 95 auf die Freigabe drauf.

Das Problem ist allerdings, dass die Datei selbst nicht aufgerufen werden kann. Klickt man die Datei an, erscheint erneut eine Fehlermeldung.

Fazit

Ich habe das Testen mit Windows Server 2016 an dieser Stelle aufgegeben, da ich jetzt schon allerlei schmutzige Einstellungen gesetzt habe und ich nicht wirklich zum Ziel gekommen bin.

Die Nutzung von Samba mit einem Debian Server

Mein nächster Ansatz war die Installation von einem Debian 9.5 mit einem Samba Server. Bei dieser Variante können wir ein aktuelles Debian, welches den benötigten Share bereitstellt.

Die Grundinstallation

Die eigentliche Installation von Debian 9.5 ist recht einfach und wird an dieser Stelle nicht ausführlich beschrieben. Falls dazu Hilfe benötigt wird, so finden sich ausreichend Anleitungen im Internetz 🙂

Die Installation von Samba

Nach der Grundinstallation und einem Update auf den aktuellen Stand müssen wir Samba inkl. der benötigten Abhängigkeiten installieren:

Nach der Installation ist der Server grundsätzlich da, jetzt müssen wir noch die entsprechenden Ordner und Anpassungen vornehmen.

Erstellen von einem neuen Benutzer

Wir beginnen mit der Erstellung von einem neuen Benutzer. Dieses Konto muss den gleichen Namen sowie das gleiche Kennwort wie der Benutzer auf dem Windows 95 haben. Ist der Name und/oder das Kennwort unterschiedlich, kommt es zu Problemen beim Aufruf der Freigabe.

Anlegen der benötigten Ordner

Damit die Ordner vorhanden sind, die gleich in der Samba-Konfiguration genutzt werden, müssen diese vorher angelegt werden.

Achtung!

Die Anpassung der Zugriffsrechte auf 777 erlaubt JEDEM! Benutzer, Dateien zu löschen oder beliebige Dateien zu erstellen. In meinem Fall wird der Zugriff auf den Server durch weitere Firewalls geregelt und die Tests, welche Berechtigungen genau benötigt werden, sind zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Alleine die Arbeit mit SMB1 ist schon nicht schön, 777 als Berechtigung macht es nicht besser!

Die Samba-Konfiguration

Nun muss die Samba-Konfiguration angepasst werden. Da ich in meinem Fall ausschließlich eine Freigabe brauche (keine Drucker, keine Profile usw.), habe ich einen Großteil der Anmerkungen und Kommentare aus der default-Datei rausgeschmissen und nur noch die benötigten Einstellungen gesetzt.

Mit diesen Einstellungen bin ich in der Lage, erfolgreich einen Zugriff von dem Windows 95 Client auf den Samba Server zu bekommen.

Weitere Infos, Hinweise und Tipps

Hier noch eine Auflistung der Dinge und Erkenntnisse, die ich im Zuge der Installation sammeln konnte:

  • Der Benutzername, die Workgroup und das Kennwort sollten 100%ig übereinstimmen
  • Es gibt kein ipconfig, man muss winipcfg benutzen (ist mir dann wieder aufgefallen, lang lang ist her). Ebenso gibt es keine cmd, es muss command ausgeschrieben werden…
  • Die Einstellung encrypt passwords muss ggf. auf no gesetzt werden, damit der Zugriff möglich ist
  • Der Zugriff auf den Server muss per Name erfolgen, nicht per IP-Adresse
  • Erfolgt keine DNS oder NETBIOS-Auflösung des Namens, kann das anlegen von C:\Windows\hosts für FQDN-Einträge bzw. C:\Windows\lmhosts für Netbios-Einträge helfen!
  • Durch die Konfiguration von einem Logfile (pro Zugriff wird eine eigene Datei angelegt, das bewirkt das log.%m) kann man sehr gut sehen, ob überhaupt eine Kommunikation stattfindet.
  • Erscheint eine Abfrage des Kennworts für den IPC$ Share, liegt dies an falschen Einstellungen. Die Lösung habe ich hier gefunden: When Windows 9x/ME Samba Access Fails

Ich habe einige Zeit gebraucht, bis die Windows 95 Büchse den Samba Server akzeptiert hat und die Freigabe fehlerfrei aufrufen und benutzen konnte. Falls ich weitere Erkenntnisse habe oder auf Probleme stoße, werde ich diesen Artikel entsprechend anpassen.

Jan

Jan Kappen arbeitet sein 2005 in der IT. Er hat seine Ausbildung 2008 abgeschlossen und war bis 2018 als IT-Consultant im Bereich Hyper-V, Failover Clustering und Software Defined Storage unterwegs. Seit 2015 wurde er jährlich von Microsoft als Most Valuable Professional (MVP) im Bereich "Cloud & Datacenter Management" ausgezeichnet für seine Kenntnisse und die Weitergabe seines Wissens. Jan ist häufig auf Konferenzen als Sprecher zu finden, weiterhin bloggt er viel. Seit September 2018 ist Jan als Senior Network- und Systemadministrator bei einem großen mittelständischen Unternehmen im schönen Sauerland angestellt. In seiner Freizeit kümmert er sich um das Freifunk-Netzwerk in Winterberg und Umgebung.

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